Knockin‘ on heavens door

Taxi Driver und die STVO

Schweiger und Liefers are „Knockin‘ on heavens door“

Der Martin hat einen Gehirntumor und der Rudi einen Knochenkrebs, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Der Til und der Thomas lieben amerikanische Filme. Und darum haben sich der Til und der Thomas so lang amerikanische Filme erzählt, bis daraus ein neuer Film wurde. Und weil sie so richtig nette Jungens sind wurde es ein richtig netter Film.

„Knockin‘ on heavens door“ ist der zweite deutsche Film der innerhalb weniger Wochen eine überbordende Medienpräsenz gewann. Das hat, hier, mit den Leuten mehr zu tun als mit dem Film. Es ist das erste mal, dass Til Schweiger das Risiko des Produzenten auf sich nahm, und es ist das erste mal, dass das amerikanische Tellerwäscher-Syndrom im jüngeren deutschen Kinowesen so solch romantischer Erscheinung gelangt: Der Taxifahrer Thomas Jahn trifft den Star Til Schweiger und drückt ihn ein Drehbuch in die Hand. Und dann wird das ein Film, und der Taxi Driver sein Regisseur. Eine wahre Romanze, vielleicht heisst darum die Bar „True Romance“. Aber eigentlich heisst sie so, weil die Jungens amerikanische Filme im Allgemeinen und Quentin Tarantino im Besonderen mögen. Wenn wir auch sagen müssen, dass Til Schweiger nicht so cool ist wie John Travolta, dafür ist er aber auch nicht so heiß wie Sascha Hehn.

Das ist die Geschichte von Martin und Rudi, die den finalen Krankenhausaufenthalt eigenmächtig beenden, das Meer sehen und sterben. Das eine ist ihnen sicher, für das andere müssen sie etwas tun. Ein Auto klaun zum Beispiel, das aber ist blöderweise das Geschäftsfahrzeug zweier subalterner Krimineller, die blöderweise die Million aus dem Kofferraum noch benötigen, ihr Vorgesetzter besteht darauf. Das stiftet lustige Polizistenwitze in Wort und Bild, das stiftet ballernde Erinners-Bilder an amerikanische Filme. Und mit der Fröhlichkeit, mit der die Jungens beiläufig eine Tankstelle und eine Bank plündern, machen sie sich über anderer Leute Filme her – und das ist ihr größtes Vergnügen.

Unseres auch, aber womöglich ist der Vorzug der Himmelsstürmer zugleich ihre Gefährdung: Das Zitat als Kunstform ist schon lustig, indessen vermissen wir hier und da ein Stück Eigen-Art und Eigen-Wert. Das ist wirklich nett, und mitunter auch wirklich witzig, und Til Schweiger und Jan-Josef Liefers sind ein wirklich gutes Team – aber wirklich gut ist es selten. Das liegt am Buch, das lustige Situationen sammelt – ein bißchen zynisch und ein bißchen sentimental, aber nichts mit Konsequenz: Deswegen sieht es es besser aus, als es ist. Taxi Driver im Dickicht der deutschen Straßenverkehrsordnung. Die sympathische Kraftmeierei zweier netter Jungs.

Und wer bis zum Schluß bleibt, erfährt hinterm Abspann, auf welche wunderliche Weise deutsche Filmproduzenten zu ihrem Geld kommen.

Autor: Henryk Goldberg

Text geschrieben 1996

Text: veröffentlicht in Thüringer Allgemeine

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