Die Filme der „X-Men“-Serie gehören zu denen, die ich sehe, amüsiert zur Kenntnis nehme – und dann ziemlich schnell vergesse. Kein Wunder also, dass der Medien-Hype um „X-Men: Erste Entscheidung“ an mir vorbeigegangen ist. Wie auch der Starttermin. Also hab ich das Pfingstfest mal wieder für einen Kinobesuch genutzt. Da wurde mir – der Einschub sei erlaubt – mal wieder klar, unter welch Luxus-Bedingungen Kritiker Filme gucken. Popcorn-Gequietsche und Rumgequatsche von infantilen Filmfans sind ja noch zu ertragen, aber die Sucht von unzähligen Kinogängern, während des Films das Mobiltelefon für Gesprächs- und sms-Orgien zu nutzen, das ist echt hardcore! Ich hoffe, es wird für Filmtheater-Betreiber bald mal erschwinglich, die Kinos so auszurüsten, dass diese kleinen Technikmonster nicht funktionieren.

Zum Eigentlichen, dem Film, wenn ich richtig gezählt habe, Film Nummer fünf nach der berühmten Comic-Vorlage. Die Geschichte – das ist spannend und staunenswert – lässt sich im Grunde auf eine simple Freundschaft-Rache-Vergältungs-Mär reduzieren, ist jedoch so komplex gestaltet, dass ein durchaus in die Tiefe dringendes Bild der (un)menschlichen Schrecken des vorigen Jahrhunderts entsteht.

Regisseur Matthew Vaughn thematisiert anhand der Story vom Mit- und Gegeneinander von Mensch und Mutant das wichtige Thema des Umgangs von Mehrheiten in einer Gesellschaft mit Minderheiten, mit dem a priori verdächtigen Fremden.

James McAvoy und Michael Fassbender sind in den Hauptrollen nicht allein glaubwürdig, sie provozieren auch wirklich dazu, Haltung zu beziehen. Erschrocken stellt man sich plötzlich Fragen nach der eigenen Toleranzbereitschaft beziehungsweise deren Grenzen.

In einigen Rezensionen wurde bemängelt, dass die Produktion bei der Ausstattung zu sehr gespart hätte, der Look des Films zu ärmlich ausfiele. Ja, üppig ist das nicht, doch genau das empfinde ich als Vorteil. Die Durchschnittlichkeit des Sets unterstreicht, dass hier im Kern eine Geschichte erzählt wird, in der wir alle die Hauptrolle übernehmen könnten.

Peter Claus

X-Men: Erste Entscheidung, Matthew Vaughn (USA 2011)

Bilder: Fox

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