Was wissen wir über Russland heute? Die meisten von uns wohl nicht sehr viel. Cyril Tuschis Dokumentation über Aufstieg und Fall von Michail Chodorkowski kann da einige Bildungslücken schließen.

Seit 2005 sitzt Michael Chodorkowski im Gefängnis. Die Übernahme von bis dahin staatlichen Ölfeldern hatte ihn Mitte der 1990er Jahre zu einem der Super-Reichen des neuen Russlands werden lassen. Zugleich wurde er – das sagt der Film – damit politisch all jenen gefährlich, die an die Macht strebten oder diese halten wollten. Durchaus demokratiebewusst, beispielsweise engagiert im Kampf gegen Korruption, machte sich Chodorkowski rasch sehr viel mehr Feinde als Freunde. Sein Konzern wurde zerschlagen. Vor knapp einem Jahr wurde er in einem von vielen Beobachtern und Kommentatoren als alles andere denn demokratisch untermauerten Prozess unter anderem wegen angeblicher Geldwäsche zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt.

Cyril Tuschi nutzt seine Versuche, an Michael Chodorkowski heranzukommen, als Hauptmotiv des Films. Knappe Aussagen von Chodorkowski und Statements von Zeitgenossen verdichten sich zu einem Abbild der Polit-Lage in Russland, zumindest zu Ausschnitten. Spannend daran sind die Rückschlüsse, die auf den Zustand der Welt an sich möglich sind. Wenn da der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer den Filmemacher mehr oder weniger als Traumtänzer abkanzelt, weil der nach Gerechtigkeit sucht, fröstelt es einen doch erheblich.

Peter Claus

Der Fall Chodorkowski, von Cyril Tuschi (Deutschland 2011)

Bilder: Farbfilm

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