Nein, ich bin kein Fan von Charlize Theron. Zweifellos: sie sieht gut aus, und sie kann was. Aber mir drängte sich bisher fast immer der Eindruck einer gewissen Gekünsteltheit auf. Diesmal spielt sie ein richtiges Aas – und das macht sie so großartig, so, dass man hingerissen sein muss. Charlize Theron spielt Mavis Gary, Autorin von Jugendbüchern. Die Enddreißigerin beschließt eines Tages, das Kaff, aus dem sie stammt, heimzusuchen. „Heimzusuchen“ ist der genau richtige Ausdruck. Sie führt Böses im Schilde. Buddy Slade (Patrick Wilson), die Jugendliebe, will sie erobern. Dafür muss Mavis nur mal kurzerhand dessen Auserkorene (Elizabeth Reaser) und das gemeinsame Baby der Beiden ausstechen. Der Weg dorthin führt über einen anderen Schulkameraden (Patton Oswalt). In ihm findet Mavis den passenden Saufkumpan. Es wird getrunken, gesponnen und zum Angriff gerüstet. Der Ausgang dieser Geschichte ist absolut ungewiss.

Regisseur Jason Reitman hat schon mit „Thank You for Smoking“ und mit „Juno“ sein Gespür fürs Außergewöhnliche bewiesen. Immer überrascht er mit besonderen Einfällen. Diesmal ist es der, dass Mavis eine ihrer Jugendbuchfiguren gleichsam entgegengesetzt wird, ein Sonnenscheinchen. Die Schriftstellerin hingegen ist ein Wrack. Das Tolle an der Story: Das fiese Verhalten der Frau wird nicht verurteilt und nicht beschönigt – und eine rosarote Läuterung am Ende findet auch nicht statt. Ja, man möchte Mavis eigentlich schnurstracks den Hals umdrehen. Doch da kommt nun Charlize Theron ins Spiel. Sie stattet die „Hexe“ nämlich auch mit Verletzlichkeit aus, Dünnhäutigkeit, lässt ahnen, warum sie wurde, wie sie ist. Von einem exzellenten Ensemble umgeben, fährt die Hauptdarstellerin zu Hochform auf. So kommt es dazu, dass man die Begegnung mit dem Monster in Menschengestalt als bereichernd empfindet. Denn man grübelt plötzlich über das Dunkle in sich selbst nach. Die Balance aus leiser Ironie und Melancholie, die die Inszenierung auszeichnet, tut ein Übriges. Fazit: Ein schöner schwarzer Film über die dunklen Seiten des Lebens. Sehr erhellend!

Peter Claus

Young Adult, von Jason Reitman (USA 2011)

Bilder: Paramount

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