World War Z (Marc Forster)

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Ob es stimmt oder nur ein Gerücht für die Werbung ist, wer weiß?! – Angeblich haben sich die auch als Produzenten arbeitenden Schauspielerstars Leonardo DiCaprio und Brad Pitt um die Verfilmungsrechte des 2006 erschienenen Romans „World War Z: An Oral History of the Zombie War“ („Operation Zombie. Wer länger lebt, ist später tot“) ziemlich gerangelt. Den Zuschlag zur Adaption des Bestsellers von Max Brooks, dem Sohn von Schauspielerin Anne Bancroft („Die Reifeprüfung“) und Regisseur Mel Brooks („Frankenstein Junior“), bekam die Produktionsfirma von Brad Pitt. Sie heuerte den durch das Bond-Spektakel „Ein Quantum Trost“ 2008 beim breiten Publikum bekannt gewordenen Marc Forster als Regisseur an. Und besetzte, klar, Brad Pitt in der Hauptrolle. Doch es zeigt sich mal wieder: große Namen sind kein Garant für Qualität.

Es geht um Zombies, also Menschen aus dem Reich zwischen Leben und Tod. Die bedrohen die Menschheit. Ein Held muss her. Er steht zum Glück parat: Gerry Lane (Brad Pitt), als ehemaliger Mitarbeiter der Vereinten Nationen made in USA ist der Mann. Und dieser Mann ist ein Patriot und nebenbei auch noch ein liebender Familienvater. Wohl niemand würde daran zweifeln, dass solch ein  toller Typ das Böse nicht besiegen könnte.

world-war-z-320Diese optisch und akustisch grelle Kino-Version des Bestsellers ist durchschnittliche Unterhaltung. Der Roman bietet mehr. Autor Max Brooks nämlich nutzt die Story vom Krieg der Zombies gegen die USA als Möglichkeit, sich mit heute realistischen und durchaus gängigen Mustern militärischer Ordnung auseinanderzusetzen und dazu Psychogramme von erfolgreichen Führungspersönlichkeiten in Uniform zu entwerfen. Dabei spiegelt er einige Entwicklungen der bürgerlichen Gesellschaft, die mit Sorge zu sehen sind. So zeigt er beispielsweise, welche Auswirkungen ein soziales System haben kann, das ganz auf Anpassung und Duckmäusertum ausgerichtet ist. Diesen Aspekt haben die Drehbuchautoren, der Regisseur und die Produzenten leiden völlig eliminiert. Übrig geblieben ist eine sehr überschaubare Heldengeschichte, die recht einfach gestrickt anmutet, weshalb denn auch schon kurz nach Filmbeginn klar ist, wie der Film enden dürfte. Glaubt man zwischendurch immer mal, es könne vielleicht doch ein überraschendes Finale geben, verblüfft allein, dass die Mär tatsächlich nach Schema F abläuft und endet.

Zugpferd Brad Pitt sieht gut aus und macht seine Sache ordentlich. Gemeinsam mit seiner Familie, Frau und zwei Töchtern, auf einen Flugzeugträger mitten in den Ozean evakuiert, hat der von ihm verkörperte Gerry Lane Dauerstress, um die Zombie-Pein so schnell wie  möglich zu beenden. Fragt sich da wirklich jemand, ob es ihm gelingt? Pitt verkörpern den Heilsbringer  mit einigem Anstand. Schauspielerische Anstrengungen wurden ihm dazu nicht abverlangt. Um ihn herum agieren Routiniers, die den Star, dem beinahe jede Szene gehört, glänzen lassen. Moritz Bleibtreu darf auch mal kurz mit mischen. Pitt-Fans werden begeistert sein, denn ihr Star kommt gut zur Geltung.

Regisseur Marc Forster,  in Schwaben geboren, in der Schweiz aufgewachsen und seit „Monster’s Ball“ (2001) in Hollywood erfolgreich, hat die Inszenierung konsequent auf seinen Star zugeschnitten. Was angeblich mehr als zweihundertfünfzig Millionen US-Dollar gekostet haben soll. Ein nicht geringer Teil des Budgets wurde wohl von der Konvertierung des konventionell gedrehten Films in das 3D-Format verschlungen. Auch die tricktechnisch aufgeheizten Action-Sequenzen waren bestimmt nicht gerade preiswert. Doch so recht sieht man nicht, wofür das viele Geld ausgegeben wurde. Angeblich, so heißt es, fanden viele gedrehte Szenen keine Verwendung, weil der Film in den USA eine Zuschauerfreigabe ab 13 Jahren bekommen sollte. Filme, die dort erst von Zuschauern höherer Altersklasse besucht werden dürfen, haben keine Aussicht, genug Profit einzuspielen. Drum wohl wirken die Momente des Schreckens erstaunlich zurückhaltend, ja, geradezu beschaulich. Rechter Biss ist nicht auszumachen. Für einen Zombie-Schocker geht’s erstaunlich brav zu. Wir haben es mit einem Horrorfilm ohne wirklichen Horror zu tun. Der Wille zur Familienunterhaltung hat dem Unternehmen den Garaus bereitet. Damit wurde der überaus clevere Endzeit-Roman zur hausbackenen Erzählung. In Erinnerung bleiben allenfalls einige Massenszenen. Da ist zu ahnen, welches Potential in dem Stoff steckt. Ausgeschöpft wurde es in diesem Fall nicht.

Peter Claus

World War Z, von Marc Forster (USA 2013)

Bilder: Paramount

 

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