the short big 680

 

Mitte des vorigen Jahrzehnts machten die Börsenzirkus-Gaukler der Welt vor, es sei möglich,  Profite ohne Ende aus dem Nichts zu zaubern. Für alle! In den USA war es sogar Arbeitslosen möglich, Kredite für den Hauserwerb zu bekommen. Wie der faule Zauber endete, ist bekannt. Schon mehrere Spielfilme haben sich dazu zu Wort gemeldet, etwa „Der große Crash – Margin Call“ (2011) und „The Wolf of Wall Street“ (2013). Das waren eher Dramen, nun gibt’s eine handfeste Satire zum Thema.

Das von Regisseur Adam McKay mitverfasste Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Michael Lewis. Es ist nicht die erste Adaption eines seiner Bücher fürs Kino. „Die Kunst zu gewinnen – Moneyball“ (2011) etwa brachte es zu einem weltweiten Erfolg und einigen Auszeichnungen, darunter sechs „Oscar“-Nominierungen. Lewis kann komplizierteste Sachverhalte auch für Laien absolut verständlich reflektieren und das dann noch in spannenden Stories. Hier nun gibt es gleich mehrere. Angetrieben werden all die Geschichten und Episoden zum Tanz ums Goldene Kalb von der Erzählung um den Hedgefonds-Manager Michael Burry (Christian Bale): Er erkennt früh, dass die internationale Finanzwelt vor einem Zusammenbruch steht. Und er handelt. Grundlage des Geschäfts sind sogenannte Leerkäufe von Aktien großer Investmentbanken. Michael Burry versucht, aus sinkenden Kursen („Short“ oder auch „Baisse“ genannt) Profit zu holen. „Big Short“ heißt das – drum auch der Filmtitel. In der deutschen Umgangssprache sagt man kraftvoll, dass man aus Scheiße Gold machen will. Wenn’s klappt, und es klappt nur sehr selten, sind die Gewinne gigantisch. Wer den Film sieht, kapiert, wie’s funktioniert. Die faulen Tricks der Geldmarkt-Manipulatoren werden genau erkennbar. Michael Lewis’ Buch hat den Untertitel „Wie eine Handvoll Trader die Welt verzockte“. Der Film zeigt’s als Chronik des Crashs. Was, Dank der filmisch raffinierten Gestaltung etwa mit Handkameraeinsatz, sehr unterhaltsam ist. Komik ist angesagt, bittere Komik. Da ist einem denn zum Heulen, wenn man sieht, wie die Wirtschaftsbosse jegliche Menschlichkeit ausschalten.

Christian Bale agiert mit Charme und Charisma. Neben ihm sorgen Stars wie Ryan Gosling und Steve Carell für Attraktivität, auch Brad Pitt mit einem wichtigen Gastauftritt. Die Schauspieler entwerfen einprägsame Charakterstudien, zeichnen aber vor allem ein Gesamtbild der Geldhandelsszene. Und das ist alles andere als schmeichelhaft. Dabei wird deutlich, was die Profitgier der Kapitalritter den Durchschnittsbürgern beschert: das Ende eines Lebens, das lebenswert ist. Formal interessant: mit einigen Texttafeln und mit direkter Anrede des Publikums werden die ökonomischen, sozialen und psychologischen Hintergründe des Profitwahns als Grundlage des Kapitalismus’ an sich erklärt. Da gibt es einige kabarettistische Kabinettstückchen. So begreift denn auch der Naivste, dass Herr und Frau Jedermann, wenn sie Kapital aus dem System schlagen wollen, nur eines können: auf die Schnauze fallen.

Peter Claus

Bilder: Paramount

The Big Short, von Adam McKay  (USA / 2015)

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