Der US-amerikanische Schriftsteller Dave Eggers („The Circle“) führt eine flotte Feder. Seine Romane, wie „Ein Hologramm für den König“, sind denn auch überaus unterhaltsam. Allerdings blitzt bei allem Spaß immer auch eine profunde Zeitkritik auf. Stichworte: Profitgier, Machtwahn, Globalisierung. Eine kraftvolle Tragikomödie ist das. Bei Regisseur Tom Tykwer wurde daraus eine Komödie. Witz entsteht aus einem verqueren Selbstfindungstrip. Romantik entsteht aus dem Aufeinanderprall unterschiedlicher Kulturen. Liebe sorgt fürs Happy End.

Den Selbstfindungstrip unternimmt ein US-amerikanischer Managertyp. Alan Clay (Tom Hanks) heißt er. Gut geht’s ihm nicht. Die Ehe ist lange zerbröselt, Tochter Rachel hält nicht viel von ihrem Papa, sein Arbeitgeber gar nichts. Nun soll der pausbäckig-schmerbäuchige Mittfünfziger sich in Saudi-Arabien bewähren: Gelingt ihm da der große Deal (dem König ein die Telekommunikation revolutionierendes Hologramm zu verhökern), wird zumindest beruflich wieder die Sonne scheinen. Gelingt’s ihm nicht – ja, was dann?

Diese Frage stellt der Film nicht. Drum wirkt die Figur des abgehalfterten Nuschlers nie wirklich in ihrer Existenz gefährdet. Man hat als Zuschauer keine Angst um ihn. Was dem Film viel von der denkbaren Wirkung nimmt. Zudem mutet Tom Hanks in der Hauptrolle leider recht fad an. Trifft Alan schließlich auf die in jeder Hinsicht starke Ärztin Zahra (wunderbar kraftvoll und emotionsgeladen: Sarita Choudhury) fragt man sich schon ein wenig verwundert, wann da wo welcher Funke überspringt, dass sie ihn zum Mann ihres Herzens wählt.

Tom Tykwer hat sich für einen milden, liebevollen Erzählton entschieden. So sympathisch das ist, so sehr führt es doch dazu, dass die Story recht lauwarm dahinplätschert.

Peter Claus

Bilder: © Warner Bros./X-Verleih

Ein Hologramm für den König, von Tom Tykwer (Deutschland 2016)

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