A.I. – Künstliche Intelligenz

E.T. + 2001 = A.I.

Es gibt vermutlich nicht allzu viele Filmemacher auf dieser Welt, die es gewagt hätten, einen Stoff zu verfilmen, den der große, der mehr oder weniger entrückte Stanley Kubrick erwählt und (in einem immerhin schon 80 Seiten umfassenden Drehbuch-Entwurf) vorbereitet hat. Steven Spielberg kann sich zugute halten, mit Kubrick schon zu Lebzeiten über das Projekt gesprochen zu haben. Die Sache ist also nicht so sehr Anmaßung, sondern eine Art gegenseitiges Geschenk, ein Dialog zwischen zwei sehr unterschiedlichen Künstlern, zwei sehr unterschiedlichen Arten, die Welt und die Menschen in ihr zu sehen. Das ist es, was man dem Film ansieht, das ist es, was die Kritiken »A.I.« schnell vorgeworfen haben, und das ist es, was ihn so faszinierend macht: ein Film, der nicht nur aus zwei Sichtweisen zusammengesetzt ist, sondern sich den Bruch zwischen diesen Sichtweisen auch zum Thema und zur ästhetischen Struktur gewählt hat. Zum Rest des Beitrags »

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A. I.- Künstliche Intelligenz

Der kindliche Kaiser

Spielbergs "A.I"- ein berührender Film über die Liebe

„Was ist Liebe?“ fragt der Professor. „Ich weite meine Augen ein bisschen und ich wärme meine Haut.“, entgegnet die junge Frau gleichmütig. Sie ist ein Roboter. Daran muss man arbeiten, bedeutet der Professor. Und auch Steven Spielberg arbeitet an der Beantwortung dieser Frage, schon immer. Und er will wohl sagen, dass Liebe etwas anderes ist als geweitete Augen und gewärmte Haut. Und wie einst E.T., der Außerirdische, ein Märchen über die Liebe war und die Sehnsucht, so ist es nun A.I. (Artificial Intelligence), der Roboter. Sie sind Brüder vom gleichen Geiste und wenn ihnen noch ein menschlicher Bruder hinzuzugesellen wäre, so könnte dies nur P.P. sein, Peter Pan. Lauter kleine Prinzen. Und seit Saint-Exupery hat die poetische Naivität kaum mehr Kraft gezeugt als bei Steven Spielberg. Seine Antwort lautet, es seien Liebe und Sehnen die einzige Kraft, die keinerlei Begrenzung kenne. Denn dieser Film handelt nicht von künstlicher Intelligenz, er handelt von menschlicher Liebe.

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Die fabelhafte Welt der Amélie

Der Zauberkasten

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Amélies Vater mag es nicht, wenn beim Pinkeln jemand neben ihm steht. Amélies Goldfisch heißt Pottwal, er neigt zu Depressionen und ist suizidgefährdet, er springt immer aus dem Aquarium. Amélies Mutter steht vor Notre-Dame, da springt ihr eine Selbstmörderin auf den Kopf. So wird Amélie "Unsere Liebe Frau". Zum Rest des Beitrags »

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Im Netz der Spinne

Als Denn zum Küssen sind sie da vor gut drei Jahren in die Kinos kam, schien der Fall relativ klar. Noch ein Serienkiller-Thriller, wieder jagte den Verbrecher ein bedächtig vertrauenswürdiger Morgan Freeman, der nach Se7en nun als Polizeipsychologe Alex Cross einem Frauenmörder auf den Fersen war. Eigentlich ging da alles recht gewöhnlich zu. Nur Freemans Partnerin Ashley Judd brachte als entkommenes Beinahe-Opfer eine leichte Veränderung ins Serienkiller-Genre. Mit ihr wurde die Opferperspektive umgedreht - die "leichte Beute" des Killers/des Genres verweigerte hier erfolgreich ihre Funktion.

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Pearl Harbor

Die Geldmaschine

Pearl Harbor - wenn Amerika will, schießt ein Besen

Die Generalität hat Bedenken. Da reckt sich der gelähmte John D. Roosevelt, der Präsident der Vereinigten Staaten, in seinem Rollstuhl und steht auf. Wenn Gott und Amerika wollen, dann schießt ein Besen und ein Lahmer geht. So beginnt der Aufstieg Amerikas zur Weltmacht, so beginnt der zweite Weltkrieg.

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Pearl Harbor

Michael Bays Film aus dem Geist von Propaganda, Computerspiel und Seifenoper

Im Jahr 1979 drehte Steven Spielberg einen Film mit dem Titel 1941, eine verrückte und größenwahnsinnige Satire über Größenwahn und Verrücktheit beim Anlaufen der amerikanischen Militärmaschine nach dem Angriff auf Pearl Harbor. Zum Rest des Beitrags »

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Stadt, Land, Kuss

Ein Film sieht rot

Eine Komödie zu verteidigen ist immer eine seltsame Angelegenheit. Über Humor lässt sich eine Ewigkeit streiten, ohne dass irgendwer seinen subjektiven Argumentationswinkel verlassen müsste. Derartige Diskussionen haben darum nicht selten etwas von einem Besserwisser-Karussell (Ist nicht witzig! - Ist doch witzig!), dessen einzige Bewegung einen immer gleichen Kreis beschreibt. Eigentlich eine passende Form - immerhin gehören Wiederholungen und Running Gags zum klassischen Komödieninventar.

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Heidi M.

Aus Heidis Heimat

Die Frau sitzt in der Bar, es ist soweit. Eigentlich war es wohl schon lang so weit, aber nun muss es sein. Es ist eine kräftige Frau und sie handelt die Dinge wie ein Mann. Sie macht die Konversation, sie aktiviert das Was-machen-Sie-Haben-Sie-Kinder-Sie trinken-ja nichts-Programm. Das Programm funktioniert, sie landen im Bett, Zum Rest des Beitrags »

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Hannibal

Gier essen Seele auf

Hannibal oder Das Schnaufen der Schweine

Es ist nicht sehr klug, gegen diese Frau zu intrigieren. Denn Dr. Hannibal Lecter liebt Clarice sehr, auf seine Weise. Und er beschützt sie, auf seine Weise. So kommt es, dass der Mann, der Clarice zu des Teufels Großmutter schicken wollte nun in des Teufels Küche kam. Zum Rest des Beitrags »

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Glauben ist alles

Edward Nortons Regiedebüt, eine romantische Komödie um einen Priester und einen Rabbi

Eines der ältesten Rituale des Kinos ist das Wieder- und Neuerzählen alter, bewährter Geschichten. Zum Beispiel „Junge trifft Mädchen" oder „Unbescholtener Normalbürger gerät in ein Komplott". Was daran so spannend werden kann, ist gerade die Variation des Bekannten, das längst ein Teil unserer eigenen (Kino-)Geschichte ist. Etwas Vertrautes erhält ein neues Gesicht, eine neue Form, die vielleicht schon aus Verkaufsgründen etwas mit der neuen Gegenwart zu tun hat und uns darum auch etwas von uns selbst erzählt.

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A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn

Das Lügen der Bilder

John Forbes Nash sitzt am Schreibtisch und arbeitet, der Ehrgeiz. Andere haben schon veröffentlicht. »Ist mein Zimmergenosse ein Arsch?« spricht da jemand zu ihm und springt lächelnd auf Johns Schreibtisch, hockend wie ein Gnom. Der Bursche da wird Johns bester Freund werden und wenn er sich Jahrzehnte später von ihm verabschiedet, dann wird das eine Trauer sein und ein Triumph.

Die Geschichte, die Ron Howard in »A Beautiful Mind« erzählt, ist die des Mathematikers John Nash, der an hochgradiger Schizophrenie litt, sich mit reiner Willenskraft selbst therapierte und 1994 für seine spieltheoretischen Arbeiten den Nobelpreis für Wirtschaft erhielt. Dieser Film, der zu den großen Gewinnern der Oscar-Saison zählen sollte, ist ein wenig trivial und ein wenig oberflächlich. Vor allem aber ist er sehenswert. Vor allem ist Russel Crowe sehenswert. Genauer zu sein, er ist überragend.

Ron Howard zeigt uns, was Schizophrenie ist, vielmehr, er vermittelt einen Begriff davon. Denn der Befund als solcher ist für einen durchschnittlichen Menschen so aussagekräftig wie eine mathematische Formel. Doch wo die Formeln auch von den Bildern nicht verlebendigt werden können, die Krankheit kann es. Und Howard trägt den Bildern genau das auf, was ihnen so häufig, beinahe rituell vorgeworfen wird: er läßt sie lügen. Denn eben das, das Lügen der sich als Wirklichkeit gerierenden Bilder, ist die Krankheit. Der Mathematiker imaginiert Menschen und Situationen, die nur in ihm existieren. Und diesen Prozeß überträgt der Film auf seinen Zuschauer, lange so sieht, wie der Kranke sieht. Das vermittelt eine Art von sichtbaren Begriff der Krankheit - und eine Art von Trivialität. Denn diese Tagtraumbilder sind zum Teil so gewollt schlicht, dass wir im Nachhinein, wie im Kriminalfilm, alles erklären könnten - was natürlich auch bedeutet, dass der Film selbst, der ja immer im Präsens stattfindet, in diesen Momenten ästhetisch schlicht ist. Und natürlich ist diese Art von Erklärung, einmal erkannt, auch eine Trivialität per se, eine Versimplifizierung, die einen Verlust an geistiger Schärfe bedeutet. Diese Bilder sind für das Kino was das Modell für die Wissenschaft ist: sie lehren ein Problem verstehen, indem sie es simplifizieren. Das ist der Preis.

Und die Schauspielkunst von Russell Crowe ist ihn wert. Wie er in zerstreuter Beiläufigkeit den filigranen Verfall spielt, wie seine Gesichte sein Gesicht zeichnen, wie er mit dem körperlichen Verfall die geistige Aufrichtung bezahlt, das ist schlicht wundervoll. Wenn es um Kunst gegangen wäre, dann wäre ,ist nach nach dem »Gladiator« der zweite Oscar gewesen. Dieses mal der richtige.

Autor: Henryk Goldberg

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Das Bush- Prinzip

Neues aus Hollywoods Ideologieproduktion: Vier Filme für den Präsidenten

"Oh Boy", letzte Nacht habe er Rambo II gesehen, verkündete ein begeisterter Ronald Reagan kurz nach Beendigung der Geiselnahme von Beirut im Juni 1985. "Jetzt weiß ich, was ich tue, wenn das nächste Mal so etwas passiert." John Rambo, die Ein-Mann-Armee auf dem Rachefeldzug im Vietnam der achtziger Jahre, sollte ein Symbol für die Außenpolitik des Cowboy-Präsidenten werden. Von Richard M. Nixon ist bekannt, dass er sich in seiner Amtszeit immer wieder das Soldaten-Epos Patton - Rebell in Uniform hat vorführen lassen, die Heldentaten des eigenwilligen US-Panzergenerals zwischen 1943 und 1945. Ein Lebensmotto aus dem Zweiten Weltkrieg für den Krieg in Vietnam: Hart gegen sich selbst und gegen andere.

Unabhängig davon, wie viel an diesen Überlieferungen Legende ist, erzählen die Präsidenten-Lieblingsfilme eine Menge über die Zeit und das politische Klima, in dem sie erschienen. Kaum eine Ära wurde so sehr anhand der Entwicklungen im Hollywood-Film diskutiert wie die Amtszeit von Ronald Reagan. Die politische Rhetorik spiegelte sich in Kriegsfilmen wie Rambo II, in Yuppie-Komödien wie Das Geheimnis meines Erfolgs und restaurativen Vergangenheitsbewältigungen à la Zurück in die Zukunft. Wenn also Filme etwas über Präsidenten erzählen können, was sagt Hollywood über die gerade angebrochene George-W.-Bush-Ära?

Tatsächlich scheint es, als stritten bereits in den ersten Monaten der neuen Regierung eine ganze Reihe von Produktionen darum, zum Lieblingsfilm des Präsidenten zu werden. Die besten Chancen hat vielleicht die von Mimi Leder inszenierte Erlösungsvision Das Glücksprinzip. Da wird zunächst festgestellt, dass noch nicht alles in Ordnung ist. Menschen im Elend und ohne Arbeit, Drogenabhängige, gewaltbereite Kinder, zerrüttete Familienverhältnisse, Messer auf dem Schulhof und alleinerziehende Mütter ohne Geld zeigen die Lage. Um es mit dem Schuljungen Trevor (Haley Joel Osment) aus Las Vegas zu sagen: Die Welt muss geändert werden, "weil einfach alles beschissen ist".

Wie sie schließlich geändert wird, passt vorzüglich zu einer Politik, die mit massiven Steuersenkungen die Zukunft der staatlichen Gesundheitsfürsorge Medicare und der Sozialfürsorge bedroht und zugleich Armut als eine Frage des persönlichen Engagements begreift. Ergo lautet in Leders Glücksprinzip die Antwort auf alle Missstände: Selbsthilfe. Wenn jeder Einzelne drei Menschen hilft und diese die Hilfe an je drei andere weitergeben, sagt Trevors Glücksprinzip, dann wird schon alles gut. Ein staatliches Sozialsystem ist überflüssig. Helfen beziehungsweise arbeiten kann jeder, der nur will, und am Ende wächst sich der Erfolg des Glücksprinzips zum landesweiten Heilsversprechen aus: "Die Bewegung hat L.A. erreicht!" Der messianische Opfertod Trevors schließlich lässt auch an das bereits erfüllte Wahlkampfversprechen Bushs erinnern, Bundesgelder aus dem Sozialhaushalt in religiöse Organisationen fließen zu lassen.

Bushs Wahlkampfstrategie, gegen übermäßige Gewaltdarstellungen in Film und Fernsehen zu polemisieren, können wir in der krudesten Medienkritik-Posse wiederfinden, die augenblicklich im Kino zu sehen ist. 15 Minuten Ruhm erzählt davon, wie illegal eingewanderte Osteuropäer die "gewaltgeilen" US-Massenmedien für ihre blutigen Zwecke missbrauchen. Damit bringt John Herzfelds Film gleich zwei aktuelle Ängste zusammen: die kulturpessimistische Angst vor dem schlechten Einfluss der Massenmedien und die Furcht vor den "Illegalen" aus ehemaligen "Schurkenstaaten". In 15 Minuten Ruhm sind es ein Russe und ein Tscheche, ihre Serienmorde beginnen sie mit dem Satz: "Glaubst du, ich bin nach Amerika gekommen, um zu arbeiten?! Niemals!" Diese Leute sind für das US-Glücksprinzip verloren und bekommen auch dafür am Ende die gerechte Todesstrafe.

Der Rassismus, aus dem Helden geboren werden

Damit also das innenpolitische Bush-Prinzip wirklich funktionieren kann, braucht es mehr Leitfiguren wie Trevor. Die demnächst anlaufenden Filme Men of Honor und Tigerland schnitzen dafür das Bild des aufrechten, integren und heldenhaften US-Soldaten, der unter schwersten Bedingungen seinen Mann steht.

"Unsere Armee ist ausgebildet, Kriege zu führen und zu gewinnen", hat ein kerniger George W. Bush mehrfach während der öffentlichen Wahlkampfdebatten mit dem zögerlichen Al Gore bemerkt. Zumindest auf Helden wie den Navy-Taucher Carl Brashear (Cuba Gooding Jr.) und Private Roland Bozz (Colin Farrell) kann er sich da verlassen.

Mit einer Authentizität heischenden Wackelkamera, "Ich war da, Mann!", inauguriert Joel Schumachers Tigerland einen neuen alten all-American boy im Angesicht des Vietnamkrieges 1971. Im US-Ausbildungslager "Tigerland" avanciert Roland Bozz vom eigensinnigen Querulanten mit Herz zum perfekten Anführer seiner Einheit. So einfach ist das: Der Vietnamkrieg mag falsch gewesen sein, es mag auch vereinzelte Durchdreher und Schwächlinge gegeben haben, doch festzuhalten bleibt das schöne, stolze Antlitz eines beispielhaften Helden. Schon das Eingangsschild zum Lager, "Geburtsstätte des Infanteriesoldaten", erklärt: Hier entstehen Helden. Eine komplettere Umkehrung von Stanley Kubricks Full Metal Jacket ist kaum vorstellbar.

Wahre Führung, davon erzählt Tigerland, zeichnet sich durch "Stärke" aus.

Gemeint ist sowohl physische Kraft als auch die starrköpfige Unbeirrbarkeit, mit der ein natural born leader wie Bozz sich gegen alle Anfeindungen durchsetzt. In diesem Sinne hatte auch Bush im Wahlkampf von leadership gesprochen. In diesem Sinne will er die Klimaschutzziele von Kyoto ignorieren, und in diesem Sinne hat er wenige Wochen nach Amtsantritt mit den Luftangriffen gegen den Irak Stärke demonstriert.

Men of Honor schließlich kommt als Biografie eines Navy-Helden der fünfziger und sechziger Jahre ohne die Hypothek Vietnam aus und kann darum Tigerland in Sachen Kitsch und Klischee sogar noch überholen. Die Erzählung vom ersten farbigen Navy-Taucher Carl Brashear erscheint passend zur Verwandlung des Golfkrieg-Helden Colin Powell in den ersten farbigen Außenminister der USA.

Gerade vor diesem Hintergrund besteht der Skandal von Men of Honor umso offensichtlicher darin, wie dieser Film den Rassismus in der Navy behandelt, den Master Chief Billy Sunday (Robert De Niro) verkörpert und gegen den Brashear bestehen muss. Rassismus ist hier die Herausforderung, an der man wächst, um zum geachteten Kameraden der Rassisten zu werden.

So wie Brashear das Handicap seiner Hautfarbe mit Einsatz wettmacht, wird er sich auch nach einem Unfall flugs von seinem steifen Bein trennen, um mit einer Prothese wieder seine Pflicht zu tun. "Was macht dich so zäh?", fragt Sunday, und wir wissen längst, dass er selbst die Antwort ist. Wie Carl Brashear in diesem Film seine persönliche Anerkennung bekommt, ohne dass Rassismus als ein allgemeines Problem überhaupt benannt würde, entspricht darum recht genau dem compassionate conservatism von George W. Bush, nach dem Armut keine Frage der Hautfarbe oder Herkunft ist, sondern des individuellen Willens. Auch hier wirkt das neue Glücksprinzip, in dem jedes Unrecht und jeder Systemfehler nichts anderes als eine willkommene Herausforderung für das Individuum ist.

Der neue Präsident kann derzeit also ganze Filmnächte im Weißen Haus veranstalten. Es fehlen nur noch ein Öko-Thriller, in dem ein US-Chemiekonzern mit einem Präparat alle Umweltprobleme löst, und ein Kriegsfilm, in dem das neue Raketenabwehrsystem NMD die Welt vor irakischen Atomwaffen rettet. Auch damit könnte in dieser Ära noch zu rechnen sein. Wie sagte George W. Bush? "Ich glaube, wir sind uns darüber einig, dass die Vergangenheit vorbei ist."

Autor: Jan Distelmeyer

Dieser Text ist zuerst (vor dem 11.September 2001) erschienen in: DIE ZEIT, 18/2001


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Startup

Vorwärts in die Vergangenheit

Schon der Filmtitel bezeugt Aktualitätsbezug. Ein Thriller zur New Economy kündigt sich an, und das zu einer Zeit, in der dieser Wirtschaftszweig mit Massenentlassungen glänzt. So mag schon die Ausgangssituation von Peter Howitts Startup wie eine Erinnerung an »bessere« Zeiten erscheinen. Blitzgescheite Computercracks wie Milo (Ryan Phillipe) und Teddy (Teddy Chin) können sich da für ihren Aufbruch ins Berufsleben gar nichts Schöneres vorstellen als ein eigenes Startup-Unternehmen für brandneue Kommunikationssoftware.

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Inschrift des Rausches, Passion oder Kreuzzug

Anmerkungen zu Drogen und Film

Unser Verhältnis zur Droge, als Individuum und als Kollektiv, ist ambivalent. Was eine Droge ist und was nicht, das wird in einer Gesellschaft immer wieder neu verhandelt, und ebenso wird neu verhandelt, mit welcher Droge eine Gesellschaft umgehen kann und mit welcher nicht, von welcher als kollektives und individuelles Erleben erzählt werden kann und von welcher nur als Verbrechen. Zum Rest des Beitrags »

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Das Versprechen

Der Tod bei der Arbeit

Sean Penn verfilmt Dürrenmatts "Versprechen"

Dass das Kino eine Kunst sei, die dem Tod bei der Arbeit zusieht, ist einerseits vollkommen wahr und andererseits eine Phrase, die alles und nichts besagen kann. Wahrscheinlich nicht anders verhält es sich mit dem kleinen Bruder dieses Satzes, der behauptet, das Kino sei eine Kunst, die den Menschen und den Dingen beim Älterwerden zusieht. Sean Penns dritte Regiearbeit aber nimmt diese Möglichkeit, diese Verurteilung des Kinos sehr ernst. Zum Rest des Beitrags »

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Rembrandt

Biografische Filme über Künstler wie Rembrandt, van Gogh oder Toulouse-Lautrec finden sich in allen Epochen der Filmgeschichte. Rembrandts Leben ist z.B. 1937 von Alexander Korda mit Charles Laughton verfilmt worden, 1942 im "Dritten Reich" von Hans Steinhoff mit Ewald Balser, schließlich 1977 von Jos Stelling. Nun wagt Charles Matton einen neuen Versuch: Klaus Maria Brandauer spielt den Künstler. Zum Rest des Beitrags »

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Panic Room

Hölle auf Erden

Alle Filme von David Fincher könnte man auch als listige, zynische und nihilistische Trash Movies erzählen. Der Unterschied ist, dass Fincher sie mit einem heiligen Ernst, mit tiefempfundenem Zorn, mit hohem ästhetischen Reflexionsgrad behandelt. Hier gibt es kein ironisches Augenzwinkern (»ist ja nur ein Film«) und keine postmoderne Ironie (»wird die Sache zu anstrengend, wechsle die Erzählebene«). Zum Rest des Beitrags »

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O Brother, Where Art Thou?

Einige der interessantesten Filme handeln von Filmen, die nicht zu Stande kommen, und einer der schönsten Filme dieser Art ist Sullivan's Travels, den Preston Sturges 1941 drehte. Er erzählt von dem Filmregisseur John L. Sullivan (Joel McCrea), der es satt hat, den Leuten verlogene Filme über Glück und Harmonie zu liefern und lieber vom richtigen Leben erzählen will, von der Unterdrückung des Menschen durch den Menschen. "Significance", Bedeutung soll das haben, was er macht. Dazu hat er schon einen Titel: "O Brother, Where Art Thou?", jetzt braucht er nur noch die Erfahrung dazu. Zum Rest des Beitrags »

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Moulin Rouge!

Mit Romeo und Julia (1996) hat der australische Regisseur Baz Luhrmann Shakespeare bei Teenagern populär gemacht, sein vorausgegangener Tanzfilm Strictly Ballroom (1991) war noch eher eine Talentprobe für Kenner. In seinem neuen, erst dritten Film in zehn Jahren, mit dem in diesem Jahr das Festival von Cannes eröffnet wurde, zieht er nun alle Register. Zum Rest des Beitrags »

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Die Klavierspielerin

Grenzüberschreitung

Einen Satz wie diesen kann man ziemlich genau in Film übersetzen:

»Die Klavierlehrerin Erika Kohut stürzt wie ein Wirbelsturm in die Wohnung, die sie mit ihrer Mutter teilt.« Und auch der hier macht keine Schwierigkeiten: »Sie geht und beschleunigt langsam ihren Schritt.«

Es handelt sich um den ersten und den letzten Satz von Elfriede Jelineks Roman »Die Klavierspielerin«. Dazwischen liegen 280 Seiten, eine Geschichte und sehr viel Sprache. Zum Rest des Beitrags »

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