on tour: Hong Kong & Macao

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Sharkjets & more hybrids in an east side story

Together with Anthony Hopkins. Within a dark wooden hotel. It was all about pain.When he woke up it was as if he had given his father’s golden pocket watch to all the young students, opening a d’or here & there. A-Ma. Macao.

Ich dachte zurück an Mandorla, zwei Kreise, die sich überschneiden. Ein Blick vom 16. Stockwerk des Ponte 16 über unberechenbare Patchworkdächer der Altstadt im Teppichgeflecht verwoben mit ihren eigenen schwarzschimmelig übersäten Fassaden. Fassaden portugiesischer Bauart, Dächer, wild überwuchert von Gestrüpp hier & dort, nicht unbedingt Dachbegrünungen wie wir sie von Deutschland kennen. Morgendliche Kontemplation eines Hybrids. Tat tvam asi. Das bin ich. Glaslose Ruinen. Da hinten im engen Grau irgendwo Meer. Ein Strauss kantigem Grand Lisboas wächst monströs wie ein Giantrobot über den vor mir liegenden transmigratorischen urban mix scheusslich schreiend hinaus, ist in der Dämmerung illuminiert wie dauerspritzender Candy, Verlockungen ausspeiend, mich zutiefst abweisend in seinem obszön gespreizten Materialismus.

„Shadowlands“ mit Hopkins in Oxford verglüht im Vormittags-TV. „We read to know we are not Aloen“, verdreht mein Rechner das zentrale Shadowlandszitat.

A23H
@ CIA Hong Kong

Anson Ng begleitete mich per Schüttelbus vom Venue zum Hotel, Casino inbegriffen. Ach, es könnten diese Gründe sein & jene, dass nicht so viel Publikum zusammenkam am Abend des 1. Mai, wo doch eigentlich Einiges geboten worden war:
 Der lange & schlaksige Scorpiø Loi aus China hatte sich lange, silbrige Fingernägel appliziert, stand da wie Karl Valentin vorm Mikrophon, hinter ihm Pyramiden aus Videos. 
Mei Zhiyong riss metallicamässig seinen Körper über die Stage, liess es donnern & krachen. Ja Alk kostet hier so gut wie nichts, tax free. Eine Flasche Jack Daniels ist gut für Sherman Ho & seinen Kumpel zum Rumpeln als Yellow Crystal in der Abfolge der Events. Mein Duo mit Sin:ned crasht vorüber. Ach ja, kaum Information über mich im Net zu finden meint Anson. Engineer Eric schaut aus wie eine moderne Version von Perry Robinson, super freundlich & ergeben, lädt uns zum Lunch ein im THS Honolulu, wo es endlich mal Luwak Kaffee gibt für kleines Geld. Vorbei geht’s an abgestellten endlosen Vespa-Ketten in Gassen rund um den Spielort LMA (Live Music Association), am Fuss des Fortress Mong Ha, vorbei an düsteren Tempeln Bodhisattvas, vietnamesischen Frauentreffs & einem Typ mit adidas T-Shirt, das drei hochgereckte Fäuste zeigt..

Und immer weiter zersplitternde Realitätsmutationen im frivolen Pharaoh Palace Babylon Casino. Vor meinen Augen verwandelt sich Hopkins in Harrison Ford. Hollywood Homicide. Haha. Wer ist Harrison Hopkins, where is Dennis Hopper? Sin:ned schreibt in The End of Logos: We failed to understand how we come into existence thru the force of sonic vibration, simple because we do not see them, while we lack the awareness and sensibility to „see“ them with our ears. However, we continue to be influenced and shaped by sound. We also missed to see the hidden dimensions that can only be revealed by sound. Sound is the secret code to understand the ultimate reality…

Es ist der Tag vor Tin Hau’s Parade, Tin Hau, die Meeresgöttin. Angetreten sind wir mit eai-Konzertmusik zu einem noch ungeschaffenen Video, dessen Titel feststeht: „Shark Without Fin“.

Im Lift zum LMA entdecke ich an der Decke einen Aufkleber: „Stop Finnin“, was die Händler tagsüber nicht davon abhält, ihre graugetrockneten Haifischflossen am Strassenrand zu sortieren. 
Okay, es geht um Ohnmacht – man cannot do – neben all dem Irrsinn & Afterlifegesuche. Eine rote Fähre Turbojet brachte uns übers Pearl River Delta.
 Wir warten auf das erste concert im All: „Richard Branson’s spaceship is supersonic success“, lesen wir unterwegs in den News. Was noch? Apple trickst beim Steuerzahlen, hat darüber hinaus wohl auch kein Verständnis für Charity. Ach ja, auf dem Herflug hielten mich zwei Amerikaner für einen Teil von „Kraftwerk“, die am Abend zuvor in Seoul ihr Bestes gaben und am 4. Mai Hong Kong beschallen. Ihre Tour durch China wurde kurzfristig von oben vereitelt: Sie hatten was von Free Tibet geäussert, was wohl zur Folge haben kann, kein Visum ausgestellt zu bekommen. FREE TIBET! FREE SHARKS!

In Hong Kong Central war ich im Butterfly Hollywood Road untergebracht mit Blick auf einen kleinen Park plus Goldfischweiher. Am Morgen nach dem Gig im CIA – was kann ich dafür, dass sich die hippen Spielorte hier alle mit drei Buchstaben bezeichnen? – zog ich im Butterfly, 17. Stockwerk, die Vorhänge zur Seite & schaute auf einen über dem Park in ruhigen Kreisen segelnden Falken, hinter ihm die weite fahle Fassadenwiese hochstieliger Gebäudekomplexe. Eine echte Überraschung in dieser schattigen Gothamcity! Ich scanne sodann jeden Tag den Fensterausblick nach weiteren Raubtieren, die ihre Beute silhouettenschwarz gen Himmel davontragen, oder so. Nur einmal – am Morgen der Weiterreise – sah ich was im Fensterausschnitt fliegen: Nein, kein Schmetterling, aber ein Düsenjet zog knapp über die sehr hochgezogene Skyline. Oder war es Richard Branson?

Kevin Pan lüftete mich tags zuvor aus, brachte mich auf seinen Rooftop im alten HK Central. Vorher streiften wir an Shops mit Pappdingen für Verstorbene vorbei: kleine adidas Turnschuhe, BMWs, McDonald-Menues und alles, was Menschen noch so lieben in ihrem Leben. Andere Shops, viele von ihnen zur Strasse hin offen, boten chinesische Antiquitäten oder Speisen an.
 Ich konnte nicht umhin, jedes himmelhohe Bambusgerüst an Neubauten dort zu bewundern. Unglaublich, wie geschickt sie damit klarkommen!

Hong Kong concert
RE-RECORDS & CIA PRESENTS
NOISE to SIGNAL 0.13:
SHARK WITHOUT FIN BY A23H
An imaginary soundtrack for the not yet existed experimental short film of the same title conceived by Alfred 23 Harth.

Eric Ch hatte zur Begrüssung ein Einstürzende Neubauten T-Shirt an. Intuitiv wusste er wohl, dass ich mal ne Gruppe „Vladimir Estragon“ durch die Zeit des interdeutschen Mauerfalls führte, mit dem Neubautendrummer FM Einheit, genannt Mufti. Ja, dann noch so ein überraschender Berührungspunkt aus der Vergangenheit: Vor meinem Studiengang durchs Maritime Museum an der Anlegestelle der Fähre in Richtung Kowloon futterte ich in der mall des ifc (noch so ein Dreibuchstabler…: international finance centre) ein organic lunch und aus Deckenspeakern tönte „Lounge FM Intercity Radio Deutschland“ mit eingefügter Werbung. Unter Glockengeläut schnappte ich auf: „…wurden Kinder gezwungen, die Mutter Gottes anzubeten – für Langeweile haben wir keine Zeit… kaufen Sie (oder so)… für 250.000 Euro…“ Stimme: Peter Bauer, Schauspieler und ehemaliger Saxofonschüler Alfred Harths…
 Na ja, es ist der 20.Jahrestag der Übergabe des Internetcodes an die Öffentlichkeit, sagt mir später der Mann vom BBC.

Ich möchte abschliessend nochmals auf mein selbstgestelltes Thema des Ausflugs zurückkommen: 
“Hai ohne Flossen“. Das ist natürlich sehr traurig. Ohne Hai gibt’s dann auch keinen Ozean mehr, jedenfalls nicht so, wie wir ihn lieben & kennen und ohne Ozean in der Abfolge dann wohl auch kein menschliches Leben mehr, zumindest auf unserem Planeten nicht. Es geht also um mehr als nur Haifischflossensuppe. 
Und genau dies versuchten wir, Kevin Pan, Dennis Wong, Alok Leung, Sherman Ho & ich, in filmisch eingefangener Melancholie zum Ausdruck zu bringen, in einem nicht nur nächtlich finsteren Stadtteil Hong Kongs am Ma Tau Kok Pier – ein echter noir mit eigenem Soundtrack, Sharks in Shadowlands… Jets with Fin.

 

 

Text & Fotos ©: A23H; Alfred Harth; 2013 April/May

Fotos: Hong Kong & Macao; Tour 2013 April/May + tour 2012 October

mehr Fotos unter flickr.com 

 

 

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