FLIEGENKÖPFE In unregelmäßigen Abständen aber kontinuierlich schreibt Ingrid Mylo an echte und ausgedachte Freunde über das, was ihr beim Bücherlesen auffällt, und über das, was ihr dazu aus dem Leben jenseits der Seiten einfällt.
Fliegenköpfe (2)
von Ingrid Mylo+ in Fliegenköpfe, Kolumnen & Blogs am 31. August 2011
BÜCHERBRIEF AN BETTINA
Liebe Bettina,
bist Du zurück aus Paris? Ich weiß, ich hab Dir versprochen, den Text für die Zeitung bis dahin fertig zu haben: aber Sjöbergs 'Rosinenkönig' ist kein Ding für Rezensionen. Viel eher und angenehmer läßt es sich darüber plaudern, an warmen Sommerabenden zum Beispiel (von denen es dieses Jahr so wenige gibt). Darüber schreiben, hieße: das Buch unangemessen ernst nehmen, hieße: es eine Rumpelkammer nennen, in der man lustvoll stöbern kann, aber über dem Stöbern vergißt, was man eigentlich suchen wollte. Hieße, hauptsächlich: mit dem Finger auf Sjöbergs Eitelkeit zeigen, ein wenig ungehalten über sein Bedürfnis, sich immer wieder und vor allem selbst ins Spiel zu bringen, seine Kindheit, seine Zweifel an der Klimakatastrophe, seine Beziehung zu Regenwürmern. Zum Rest des Beitrags »
ShareFliegenköpfe (1)
von Ingrid Mylo+ in Fliegenköpfe, Kolumnen & Blogs am 4. Juli 2011
BÜCHERBRIEF AN ALF
Lieber Alf,
heut ist kein Sommertag, kalter Regen und Wind, verfrorene Gesichter, weil die Leute in zu dünnen Hemden rumlaufen: ist schließlich Anfang Juli, da packt man sich nicht mehr in Wolle, auch wenn die Haut aussieht, als hätte sie die Pimpelgicht. Ein Tag zum Verkriechen, "manchmal", hat David Albahari geschrieben, "ist es besser, nichts zu unternehmen". Wobei das 'manchmal' bei ihm an wilder Übertreibung grenzt: wann hätte dieser Schriftsteller je große Sprünge gemacht. In seinen Geschichten sitzen die Leute da, stundenlang, und starren irgendwohin, meist Männer: die Frauen haben am ehesten noch sowas wie Unruhe im Leib. Die Frauen wollen auch reden. Unterhaltungen führen, was wissen von jenem, mit dem sie zusammen sind: der überlegt lange, bevor er antwortet. Ob er das überhaupt soll: antworten. Warum über etwas reden, wenn man auch über etwas schweigen kann. Schweigen hat mehr Potential: da stecken, schreibt Albahari ein ums andere Mal, die perfekten Geschichten drin. Zum Rest des Beitrags »
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