Schnappt Shorty
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik 2009
Das eiskalte Händchen
Travolta zeigt Hackman wo’s langgeht

Chili Palmer sitzt am Fenster und geht seiner Lieblingsbeschäftigung nach, er raucht. Chili Palmer ist Mitarbeiter im Außendienst einer Inkasso-Firma, so eine Entweder-du-zahlst-jetzt-deine-Schulden-oder-ich-breche-dir-deine-Beine-Firma. Aber eigentlich ist er ein netter Kerl, denn er hat ganz viele Filme gesehen. Er kann, wir werden es erleben, die Dialoge von Orson Welles mitsprechen, er weiß, wann John Wayne am Rio Bravo schießen wird und er trägt eine schwarze Jacke wie Al Pacino sie trug, und als Ray Barboni sie ihm klaut, wird er ihm die Nase einschlagen dafür. Und ganz oft, doch wer hätte das nicht, hat er in Rick’s Cafe gesessen. „Schauen Sie mich an“ – das hat nach noch nie jemand so cool gesagt, so aasig. Doch erwähnt er, das ist merkwürdig, nie Woody Allen. Dabei, Bulletts over Broadway muß ein Mann wie Chili einfach lieben. Denn da war es, dass Cheech zu einer grauenhaften Schauspielerin sagte „Du bist eine grauenhafte Schauspielerin“ und sie erschoss, denn der Gangster Cheech war ein kunstsinniger Mann. Und Chili Palmer ist auch ein kunstsinniger Mann. Daraus müsste sich doch etwas machen lassen. So sitzt Chili Palmer, der nette Gangster, und blickt nachdenklich aus dem Fenster, als Ray Barboni, der doofe Gangster, eine ziemlich dumme Bemerkung macht. Ray Barboni geht nicht so oft ins Kino. Denn dann hätte er Pulp Fiction gesehen und gewußt, daß der Mann eine Glückssträhne hat. Zum Rest des Beitrags »
ShareDer Pferdeflüsterer
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 2. März 2009
Beim Barte des Erzählers
Das weit sich streckende Pferd ist so schön, so fließend, wie das magische Blau, aus dem es kommt und mit dem es doch ein schimmerndes Ganzes bleibt; sie sind, so scheint es, vom gleichen Stoff. Es ist der Stoff, aus dem die Träume sind. Dann wacht das Mädchen auf, es war ein Traum. Und es wird ein Traum, und der ihn träumt ist Robert Redford.
Redford ist ein Mann, der seinen Traum vielleicht so konsequent träumt, wie kaum ein anderer Star dieser Klasse. Es ist der Traum des unabhänigen Kinos, das nicht im digital reißenden Mainstream versinkt, und, dahinter, der eigentliche Traum, der des unabhängigen Menschen: Unabhängig von seinen Neurosen, unabhängig von dem, was nicht zu ihm gehört, nicht wirklich. Aber Redford träumt nicht nur. Mit dem „Sundance”-Festival hat er den unabhängigen Film hoffähig gemacht, mit seinen eigenen Arbeiten, den Beweis gesucht, es seien populäre Filme möglich, die diesem Traum verpflichtet sind. Zum Rest des Beitrags »
ShareDer Untergang
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 2. März 2009
Ein Zeit-Zeichen
Eichingers Hitler-Film: authentisch, leer und nichtssagend
Ehe wir etwas sehen, hören wir etwas. Die Stimme von Traudl Junge, die sich dafür rechtfertigt, dass sie als junge Frau sah, was wir gleich sehen werden: Hitler als Mensch. Und mit ihr rechtfertigt sich dieser Film.
Dabei, das müsste er nicht. Denn noch nie wurde ein deutscher Film so grotesk überschätzt, in seiner Selbstwahrnehmung wie in seiner medialen Präsenz. Denn als Kunst ist dieser Film mittelrangig bis langweilig. Und als Haltung ist er nicht annährend so spektakulär, wie es schien im Vorfeld. Bernd Eichingers Drehbuch basiert auf zwei respektierten Zeugnissen. Traudl Junge, die Hitlers Sekretärin war Bis zur letzten Stunde ist eine authentische Berichterstatterin der letzten Tage im Bunker und Joachim C. Fest schrieb als Historiker die Skizze Der Untergang. Zum Rest des Beitrags »
ShareThe Big Lebowski
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 2. März 2009
Vom Glück, eine ruhige Kugel zu schieben
Die Coen-Brüder und wie der faulste Sack von L.A. auf dem Teppich bleibt

Als Jeff „The Dude“ Lebowski sich nachdenklich fragte, warum sein Gesicht in seiner Kloschüssel gewässert wird, da fing alles an. Und als der Kerl auf seinen Teppich pinkelt, da weiß es der Dude: Dies wird einer jener Tage werden, die ein Mann wie er nicht sonderlich zu schätzten pflegt. Ein Mann wie der Dude schätzt Tage, die sind, wie alle Tage waren. Zum Rest des Beitrags »
ShareHarry Potter und der Gefangene von Askaban
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik 2009
Harrys Himmel
Vom Design zum Bewusstsein
Die Nacht scheint schwarz, das Pflaster schimmert feucht und Harry ist allein unter einem drohenden Himmel. Da kommt der Fahrende Ritter, die rollende Wärmestube für Magier in sozial schwierigen Lagen. Der Schaffner nimmt, ehe Harry einsteigen darf, einen Zettel aus der Tasche und leiert gelangweilt die vorgeschriebene Begrüßung. Es klingt so, wie es in amerikanischen Filmen klingt, wenn sie sagen „Sie haben das Recht auf einen Anwalt“.
Dabei, Harry hat schon einen. Er heißt Alfonso Cuaron und ist als Regisseur der Nachfolger von Chris Columbus. Und dem fallen so Sachen ein, wie das Zitat ungezählter amerikanischer Filmverhaftungen. Das Detail ist nicht notwendig für die Szene, aber es bringt einen Spaß hinein und eine Lebendigkeit auch für den Zuschauer, der das Zitat nicht als solches wahrnimmt. Einen besseren Anwalt hatte Harry nie, denn diese dritte ist die zweifelsfrei beste der bisherigen Verfilmungen. Und der Umstand, dass Joanne K. Rowling die Erfinderin, dieses mal bei den Dreharbeiten lediglich beratend mitwirkte, mag dazu beigetragen haben, so wie es für die Filme nach Tolkiens Herr der Ringe wohl ein Segen war, dass der Autor nicht mehr in der Situation war, Bedingungen zu stellen. Zum Rest des Beitrags »
Halbe Treppe
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik 2009
Zeit ist Glück
Andreas Dresens schöner, sanfter Film

Einmal, im Urlaub, hat Uwe 32 Cocktails getrunken, noch beim Betrachten der Dias möchte er vor Erinnerung wohlig brechen. Sonst verkauft Uwe Currywurst und Bierbüchsen, da ist nur die Musik inclusive, die die Penner neben seiner Imbissbude machen, auf halber Treppe. Uwe ist ein Pfundskerl, doch wenn Ellen Hans-Peter, den Vogel fliegen lässt, da wird er schon mal sauer. Aber er mag Ellen und die Kinder, auf seine Art. Ellen verkauft Parfüm und versorgt die Kinder, es hat sich so ergeben. Aber wenn Chris sie auf die Sitze seines Autos legt, dann erinnert sie sich an die Sehnsucht, die einmal war. Zum Rest des Beitrags »
ShareZug des Lebens
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 2. März 2009
Diesseits und jenseits der Berge
Der „Zug des Lebens“ und der Zug der Zeit
Schlomo ist der Dorftrottel. Und Schlomo hat eine Idee. Denn das Leben im Schtetl ist bedroht. Also, sagt Schlomo, deportieren wir uns doch selbst und bauen einen Zug. Das ist eine Idee, die nur ein Trottel und ein Jude haben kann. Denn jenseits der Berge drohen die Deutschen. Und wo sind wir?
Radu Mihaileanu, der in Frankreich lebende Rumäne, ist ein Jude, ein Trottel ist er nicht. Und er kam, vor Roberto Benigni, auf diese Idee, der Italiener hatte die Rolle des Dorftrottels abgelehnt, um dann seinen eigenen Film zu drehen, „Das Leben ist schön“. Und natürlich stellt dieser zweite Film, der eigentlich der erste war, die Frage, ob das nun bereits ein Trend sei und wohin er führe. Zum Rest des Beitrags »
The Day After Tomorrow
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik 2009
Zeit der Wölfe
Roland Emmerich und das Wetter für Übermorgen:
Ein Schiff fährt vorbei. Es ist ein großes Schiff, ein Ozeanliner. Später werden hungrige Wölfe auf diesem Schiff Nahrung suchen und Menschen finden. Die Wölfe sind aus dem Zoo von New York entlaufen und das Schiff fährt durch Manhattan. Tief unter ihm, auf dem Grund, liegt, was einmal die 5th Avenue war.
Dieser Film des deutschen Regisseurs Roland Emmerich wird dazu beitragen, ein Gerücht zu verbreiten: das, es gäbe in Hollywood politische Interessen, die Einfluss auf die Produkte nähmen. Doch ein Film wie „The Day After Tomorrow“ interessiert sich nicht für George W. Bush. Zum Rest des Beitrags »
ShareZugvögel…einmal nach Inari
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kritik am 2. März 2009
Das Lob der Langsamkeit
Peter Lichtefeld entdeckt die Poesie des Kursbuches

Es ist der Showdown und der Leader führt souverän mit 8:34 Minuten. Es ist die Endrunde der „1st International Time-Tabel Competition” und jetzt steht die Entscheidung an: Die beste Verbindung von München nach Inari. Der Mann zögert einen Augenblick, uns stockt der Atem, und wählt auf der Tastatur die Route über Nordschweden. Und wir beobachten auf der animierten Grafik, wie sich sein Zug langsam durch Europa quält und wir ahnen, dass er verlieren wird und wir lieben ihn darum. Denn diese dröge Grafik zeigt uns die wunderbarste Liebeserklärung. Denn, so hatte Sirpa zu Hannes gesagt, die schönste Route nach Inari führe über Nordschweden. Zum Rest des Beitrags »
ShareWas das Herz begehrt
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik 2009
Was das Herz begehrt – manchmal nur Diane Keaton und Jack Nicholson
„Wie sieht’s mit Verhütung aus?“, fragt Harry. „Menopause“, entgegnet Erica. Und fügt, noch immer lachend, hinzu „Wir sollten Deinen Blutdruck messen“. Und am Morgen, am nächsten Morgen, erkennen sie nicht, wie spät es ist, weil, die Brillen liegen noch neben dem Bett.
Solche Titel wollen Nachricht sein. Wie es euch gefällt. Was ihr wollt. Was das Herz begehrt. Nachrichten nicht über Geschichten, sondern über Absichten. Der Absicht, zu unterhalten. Tatsächlich trägt dieser Film wenig bei zum Verständnis der Welt und sehr viel dazu, sich einige Stunden auf dieser Welt sehr, sehr wohl zu fühlen. Einfach so. Nancy Meyers hat das geschrieben und inszeniert, Michael Ballhaus fotografiert. Und das Beste, was er zu zeigen hat, sind Diane Keaton und Jack Nicholson. Zum Rest des Beitrags »
ShareLolita
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik 2009
Ein unmoralisches Angebot
Über verlorene Werte, einen armen Mann und eine kleine Schlampe
Die Frage, ob eine erwachsende Frau für eine Million Dollar mit einem fremden Mann schläft, der aussieht wie Robert Redford, ist kein ernsthafter Diskurs über ein unmoralisches Angebot, es ist ein amüsantes Gesellschaftsspiel. Die Frage nun, wie es ist, wenn eine wohnungssuchende Studentin dem fiesen fetten Vermieter den kleinen Gefallen erweist, ist schon weniger amüsant: Das Amüsement der Geschichten verfliegt in dem Maße, in dem sie sich der Wirklichkeit und nähern und den wirklichen Fragen. Die Frage also, wie es sich mit der Moral verhält, wenn ein vierzigjähriger Mann mit einem zwölfjährigen Mädchen schläft, ist vollkommen unamüsant. Zum Rest des Beitrags »
ShareJackie Brown
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik 2009
Offene Zweierbeziehungen
Tarantino denkt über seine Zukunft nach

Jackie hat nicht mehr viel Zeit. Jackie ist 44 und schwarz. Ordell, der Waffenschieber, hat gerade erst einen Mitarbeiter letal entsorgt, so wird er es jetzt mit Jackie halten. Aber Jackie ist anders. Jackie hat dem Kautionsanwalt Max die Pistole geklaut, als er sie aus dem Knast nach Hause fuhr. Und jetzt ist es dunkel im Zimmer und Ordell ist da und er hat die Hände an ihrem Hals. Und Jackie hat die Pistole in der Hand. Fortan wird Ordell diese Frau ernster nehmen. Dennoch wird Jackie schließlich in einem Auto sitzen mit einer halben Million, die einmal Ordell gehörte. Er wird sie aber nicht vermissen, denn er wird auf dem Boden liegen mit einer Kugel, die einem Polizisten gehörte. Zum Rest des Beitrags »
ShareThe Green Mile
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik 2009
Friedhof der Kuscheltiere

Fred Astaire singt vom »Heaven« und Ginger Rogers schwebt auf Wolken, Wange an Wange. Der alte Mann aber, der das im Fernsehzimmer sieht, beginnt zu weinen. Er hat diesen alten Film schon einmal gesehen, damals, als es ein neuer Film war. Es war der letzte Wunsch von John Coffey, dem großen, wundersamen Neger, ehe sie ihn über die Grüne Meile in den Himmel führten. Da hatte er seine Wunder schon getan. Er hatte Paul Edgecom von seiner Harnleiterentzündung befreit, er hatte die tote Maus Mr. Jingle zum Leben erweckt, und er hatte Mrs. Moores den Tumor aus der Seele gesaugt. Es war, als Percy Wetmore, der sadistische Wächter, den Scheiterhaufen für Eduard Delacroix entzündete, der mit der Maus tanzte. Zum Rest des Beitrags »
ShareGottes Werk und Teufels Beitrag
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik 2009
Über die Regeln
“Gottes Werk und Teufels Beitrag” – mit sieben Oscar-Nominierungen deutlich überschätzt
Niemand von den schwarzen Apfelpflückern, Maine, 1943, ist des Lesens kundig. So bitten sie Homer Wells ihnen die “Cider House Rules” vorzulesen, die Regeln, der alten Holzhütte, darin die Männer leben, die den Apfelsaft herstellen. Die Regeln besagen, zum Beispiel, dass das Mittag nicht auf dem Dach einzunehmen und das Rauchen im Bett verboten ist. “Das sind nicht unsere Regeln,” sagt einer der Schwarzen, er liegt auf dem Bett und raucht. Da reißt Homer das Blatt von dem alten Nagel in der Wand und verbrennt es. Regeln sind für die Menschen gemacht, nicht gegen sie. Und es gibt verschiedene Regeln und manchmal muss man die Regeln ändern, an die sich zu halten einer gesonnen ist. Zum Rest des Beitrags »
ShareZeiten des Aufruhrs
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik im März 2009
Unterm Eis
Als sie ihn das letzte mal sah, da glitt er von der Eisscholle ins Meer und mit ihm versank ein Traum vom Glück. Jetzt haben sie eine zweite Chance, Kate Winslet und Leonardo DiCaprio in Zeiten des Aufruhrs. Und nutzen sie so, dass es schon für den Golden Globe reichte und für den Oscar noch reichen könnte.
So beginnt es mit Romeo und Julia. Party, Blicke, Gespräche, Lächeln. Er sei, sagt er, Hafenarbeiter, und nächste Woche vielleicht Kassierer. Sie lächelt so ein Frauenlächeln, in dem Jungen steckt mehr, viel mehr, sie weiß es einfach. So beginnt ein Leben, in dem alles möglich ist. Und das Glück scheint mehr als bloße Hoffnung, es tritt auf als selbstgewisse Sicherheit. Sam Mendes (American Beauty) erzählt diese Geschichte nach einem Buch von Richard Yates, Revolutionary Road erschien 1961. Es ist der sprechende Name der Straße, in der Frank und April Wheeler ihr nettes Leben haben mit ihrem netten Haus und ihren netten Kindern und ihren netten Nachbarn. Zum Rest des Beitrags »
ShareVicky Cristina Barcelona
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik im März 2009
Der Himmel über dem Reißbrett

„Wenn du nicht bald anfängst mich auszuziehen”, sagt Cristina, die Amerikanerin, die ein bisschen fotografiert, zu Juan Antonio, dem Spanier, der richtig malt, „dann wird das hier eine Podiumsdiskussion”. Und wir fragen uns, wie weit die Selbstironie von Woody Allen geht. Denn es ist tatsächlich eine Podiumsdiskussion.
Manchmal sind auch Titel Nachrichten. „Vicky Cristina Barcelona” das sind die Koordinaten eines Versuchsprogramms, das Woody Allen hier durchrechnet wie auf dem Reißbrett. Wobei natürlich zu denken ist, dass die Berechnungen eines Mannes wie Allen noch immer amüsanter sind als die Phantasien anderer Leute. Es ist, als würde Allen hier einen Satz von William Faulkner diskutieren wollen: „Zwischen dem Schmerz und der Leere wähle ich den Schmerz”. Den Schmerz, den sucht Cristina (Scarlett Johansson), wie uns der milde Erzähler gleich zu Beginn der Lektion wissen lässt, und die Sicherheit Vicky (Rebecca Hall). Die heiratet in Barcelona ihren Verlobten, der ist so heiß wie die Erläuterungen eines Vogelfreundes über die Morgenhygiene des Buntspechtes. Am Ende wird sie in eine Zukunft fliegen, wie sie für die ältere Judy seit Jahrzehnten schon Gegenwart ist: Die liebt ihren netten, wohlmeinenden Mann nicht wirklich, aber trennen kann sie sich auch nicht, das kann sie ihm nicht antun. So hält sie es aus, das Leben.
ShareOperation Walküre
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik im März 2009
Dieser Eine
Ein normaler, ein sehenswerter, ein spektakelfreier Film

„Gott versprach Abraham,” sagt General Olbricht, „Sodom nicht zu vernichten, wenn er zehn Gerechte findet.” In Deutschland reicht vielleicht einer. Von diesem Einen handelt dieser Film und dieser Eine hat tatsächlich diese Funktion. Und niemand leistet so viel für die Popularisierung der Gerechten wie Hollywood.
Die verbreitete Beschäftigung mit dem Holocaust wurde in den USA und der Bundesrepublik wesentlich stimuliert durch den amerikanischen Fernsehfilm. Die Wahrnehmung von Homosexualität und Aids wurde wesentlich durch den amerikanischen Film „Philadelphia” bestimmt. Zum Rest des Beitrags »
ShareKurzer Prozess
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik im März 2009
Keiner darf gewinnen
„Kurzer Prozess” – Robert De Niro und Al Pacino, zwei alte Männer in Betrachtung des Lebens
Eine gern genommene Redewendung besagt, gute Schauspieler vermöchten selbst mit dem Telefonbuch Interesse zu erzeugen. Was ein Unsinn. Denn selbst erstklassige Schauspieler wie Robert De Niro (65) und Al Pacino (68) können es nicht einmal mit einem schlechten Drehbuch.
Robert De Niro heißt hier Turk, das bedeutet beinahe Truthahn. Al Pacino heißt Rooster, das bedeutet Hahn. Das ist, darauf ließe sich wetten, eine selbstironische Anspielung, auf den Hahnenkampf, den die beiden Superstars sich in ihrem ersten wirklich gemeinsamen Film liefern, in „Heat” hatten sie nur wenige gemeinsame Minuten. Solche Art von Ironie klingt viel versprechend, doch dieses Versprechen wird nicht einen Moment lang eingelöst. Es ist, als hätten alle Beteiligten befürchtet, einer der beiden Stars könnte ein wenig besser sein als der andere. Zum Rest des Beitrags »
ShareDas Experiment
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 26. Februar 2009
Big Brother is killing you
Oliver Hirschbiegels spannender Thriller ist auch ein Experiment
Der Elvis-Imitator knödelt in die Mikro-Imitation. „Are you lonesome tonight?“ Es muss sein Thema sein. Einer der anderen Männer fragt ihn, ob er Kinder habe. Da verlässt der Elvis-Imitator den Aufenthaltsraum der Wärter-Imitatoren und geht zu den Gefangenen-Imitatoren. Häftling Nr. 77 erhält Liegestütze außer der Reihe.
Das so genannte Stanford-Experiment untersuchte 1971 das Verhalten von Menschen unter simulierten Gefängnisbedingungen. Die Hälfte der Probanden hatte die andere Hälfte zu bewachen. Nach sieben Tagen wurde der Versuch abgebrochen, das Experiment geriet außer Kontrolle. „Das Experiment“ schafft nur fünf Tage. Zum Rest des Beitrags »
ShareEyes Wide Shut
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 26. Februar 2009
Die unsozialisierte Seele
Kubricks letzte Bilder, schön und leer

Sie sitzt, das Abendkleid zweckdienlich geschürzt, auf der Toilette. “Wie sehe ich aus?”, fragt sie, während sie ein wenig Papier benutzt. “Gut”, sagt William und schaut nicht hin. Sie kennen sich schon recht lang, das kann ein Problem sein.
Auch Nicole Kidman und Tom Cruise kennen sich schon recht lang, das kann ein Vorteil sein. Denn Stanley Kubrick wollte dieses Paar mit Schauspielern besetzen, die weitgehend entgrenzt miteinander umzugehen vermögen, auch in den erotischen Szenen. Das war eine der Geschichten, die den Film zur Legende erhoben. Zum Rest des Beitrags »




